Der Ursprung: Die UN-Agenda 2030
Im Jahr 2015 verabschiedeten alle 193 UN-Mitgliedsstaaten die Agenda 2030. Mit den 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs) schufen sie einen politisch verpflichtenden Weltvertrag für eine globale Transformation – natürlich auch für die Transformation unserer Bildungssysteme.
Weitgehend unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit haben die UNESCO und alle Mitgliedstaaten sich selbst also einen Paradigmenwechsel in mehreren Lebensbereichen verordnet.
UNESCO & die Schlüsselkompetenzen
Die UNESCO übersetzte diese Weltziele in konkrete Standards. In ihrem Bericht von 2017 definiert sie die „Self-awareness competency“ (Selbstreflexions-Kompetenz) als eine der wichtigsten Schlüsselkompetenzen für das 21. Jahrhundert. Pädagogen sollen laut diesem Bericht maßgeblich zur Lern-Transformation beitragen.
Den älteren Semestern unter uns könnten einige dieser Schlüsselkompetenzen sehr modern, aber auch sehr ungewohnt, vielleicht sogar vorkommen. Wurden doch in unserer eigenen Schulbildung in den 50er- und 60er-Jahren oder auch 70-er Jahren nicht explizit solche Kompetenzen gefordert: Empathie, Perspektivwechsel, „Normen und Werte verstehen und reflektieren“, Selbstreflexion.
Nationale Umsetzung: KMK & BMZ
In Deutschland konkretisierten das BMZ und die Kultusministerkonferenz (KMK) diesen Auftrag im Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung. Wissenschaftlich fundiert durch die Arbeit von über 100 Experten, benennt dieser Rahmen Selbstreflexion und auch Perspektivübernahme explizit als zwei Kernziele.
Dieser Orientierungsrahmen, der die Grundlage für alle Lehrpläne der Bundesländer darstellt, hat ganz aktuell 2025 eine Aktualisierung erhalten. Die Bundesländer arbeiten diese Vorgaben in ihre jeweiligen Länderpläne ein. Doch dieser Prozess dauert tendenziell zwei bis fünf Jahre. Bis diese Veränderungen die künftigen Lehrkräfte durchdrungen haben, ihnen in „Fleisch und Blut“ übergegangen sind und in der täglichen Schulpraxis angekommen sind, vergehen noch einmal fünf Jahre. Bis unsere Kinder flächendeckend von diesem Paradigmenwechsel profitieren können, vergehen vielleicht insgesamt zehn Jahre.
„systematische Kernkompetenz“ im Orientierungsrahmen
Der Orientierungsrahmen 2025 deutet Schritte in eine wichtige Richtung an, die das Potenzial für einen echten Paradigmenwechsel in der pädagogischen Praxis haben. . Er macht das, was früher oft dem „Bauchgefühl“, der Religion oder der Erziehung überlassen war, zu einer systematischen Kernkompetenz. Der bewusste Perspektivwechsel und die systematische Selbstreflexion sind heute keine „Soft Skills“ mehr, sondern notwendige Werkzeuge für eine globale Transformation, die unsere eigene Schulzeit so noch nicht kannte.
Manchmal finde ich es erschreckend, dass diese Kompetenzen, die wir teilweise als selbstverständlich erachten möchten (obwohl sie das offensichtlich nicht sind), jetzt in unseren Lehrplänen verankern müssen. Gleichzeitig bietet das neue Chancen: Die Möglichkeit, diese Kompetenzen auf eine ganz neue „wirklich weiterentwickelte und innovative“ Art und Weise einzusetzen und die aktuellen „modernen Probleme“, die in den letzten 20 Jahren immer offensichtlicher wurden, wirklich zu lösen.
Die Lücke: Wenn Theorie auf Praxis trifft
Man hat einen Paradigmenwechsel beauftragt und versucht, wichtige Kompetenzen zu fördern – hat aber oft keinen Erfahrungsraum oder Techniken dafür, so wie es die systematische Selbsterfahrung oder auch Konzepte wie die kollegiale Beratung und Supervision liefern könnten.
An den Universitäten wird in der Lehrerausbildung inzwischen immerhin über Konzepte zur Förderung der Authentizität, der Perspektivübernahme und der Empathie gesprochen. Doch es bleibt oft theoretisch und konzeptionell. Praktische Erfahrungen, die wirklich transformativ wirken und die innere Haltung verändern können, kann die Universität in den seltensten Fällen vermitteln.
Unser Ansatz: Von der Theorie zur Praxis
Man hat die Lehrpläne geändert, aber oft vergessen, die Pädagogen darin zu schulen, wie sie den beauftragten Paradigmenwechsel innerlich umsetzen können. Wie soll eine Fachkraft Selbstreflexion und Perspektivübernahme vermitteln, wenn sie selbst kaum Techniken und keinen geschützten Erfahrungsraum für die eigene Selbstreflexion hat?
Wir liefern eine Methode für die systematische Selbsterfahrung, die ein essenzieller Baustein der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist.
„Wer Menschen führt, muss sich selbst führen können.“