Wir sind bewegt von der Vision, dass wir Pädagog*innen unsere Arbeit mit Freude, Leichtigkeit und einer echten innerer Stabilität ausüben können – ohne jene unnötige Anstrengung, die in Erschöpfung oder Burnout führt.
Wir wünschen uns, dass wir die Möglichkeit erhalten, unsere eigenen Lebensthemen so gut zu kennen, dass sie uns im pädagogischen Alltag nicht mehr „kalt erwischen“. Seien wir ehrlich: Kennen wir nicht alle diese Momente, in denen wir anders reagieren, als wir es uns eigentlich gewünscht hätten? Im besten Fall können wir im Nachhinein gemeinsam darüber schmunzeln. Und doch gibt es Tage, an denen solche Situationen mehr an uns kratzen.
Was für eine Verschwendung von Lebensenergie. Sie verpufft, anstatt in echte, freudvolle Begegnungen und wertvolle Entwicklungsimpulse für die begleiteten Kinder und Jugendlichen zu fließen. Es ist doch manchmal sehr ärgerlich zu sehen, wie wir uns durch kleine, vermeidbare Verletzungen und alte Trigger selbst im Weg stehen. Welch ein unnötiger Ärger und wie bedauerlich ; uns selbst gegenüber, aber auch gegenüber den Kindern, die unsere volle Präsenz brauchen; besonders dann, wenn wir den Anspruch haben, ihnen den Weg in eine lebenswertere und friedlichere Welt zu ebnen.“
Wir glauben fest daran: Alte Wunden und Schmerzen dürfen da sein. Sie gehören zu uns. Aber sie müssen unsere heutigen Beziehungen nicht mehr belasten. Die Forschung zeigt uns ganz klar: Selbst traumatische Erfahrungen werfen uns viel weniger aus der Bahn, wenn wir auf einem gesunden, starken Fundament aus sicheren Bindungen stehen. Selbsterfahrung kann ein wundervoller Impuls für sichere Bindungsmuster sein.
Unser Ziel ist es, dass Pädagog*innen auf breiter Ebene – dort, wo die tägliche Arbeit an der Basis geschieht – durch Selbsterfahrung noch stärker stabile Beziehungen aufbauen können. John Hattie hat es überzeugend dargestellt: Wenn ein Team von seiner kollektiven Wirksamkeit überzeugt ist, DER Faktor, den John Hattie als DEN stärksten Wirkfaktor für Lernerfolg identifiziert hat, entstehen die kraftvollsten Entwicklungsimpulse für alle Beteiligten. Es können Beziehungen entstehen, die getragen werden von: Vertrauen, Klarheit und Präsenz, geprägt von Zuversicht, Verlässlichkeit und einer wohlwollenden Resonanz.
Wir glauben daran, dass Kinder und Jugendliche auf diese Klarheit und Stabilität ganz natürlich reagieren: mit Vertrauen und Kooperation, anstatt mit Rückzug, Aufmüpfigkeit, Abwertung oder Provokation. Wenn wir uns selbst klären, öffnen wir die Tür für eine neue Art des Miteinanders.
Wir wünschen uns und wissen, dass unsere pädagogische Landschaft noch viel mehr getragen sein kann von: Zugewandtheit, Sicherheit, Lebendigkeit, Neugier, Wertschätzung und Kooperation.
Um diese Bestrebungen weiter voranzubringen, unterstützen wir alle Bemühungen, Selbsterfahrung fest in die Ausbildung von Pädagogen aller Art zu integrieren. Wir unterstützen jede Art von Bemühung, genauer zu untersuchen, welche Mechanismen dabei die wirksamsten sind. Wir unterstützen jegliche Forschung dazu und bemühen uns, soweit die Teilnehmer bereit sind, durch anonymisierte Daten und Fragebögen einen Beitrag zur Erkenntnis zu leisten.
Und ja, natürlich braucht das Zeit. Vielleicht sogar Generationen. Aber lasst uns gemeinsam los und auf Entdeckungsreise gehen. Lasst uns in kleinen Schritten Veränderungen bewirken, die für uns alle kleine und manchmal auch große Veränderungen in der Lebensqualität bedeuten können.
Haben wir eine Alternative?
Leitlinien für unser Selbsterfahrungsprogramm
1. Wir stärken uns gegenseitig
Wir sind füreinander da, unterstützen uns gegenseitig und schaffen einen sicheren Rahmen, in dem Wachstum möglich wird.
2. Wir begegnen einander mit offener Präsenz und Respekt
Wir hören einander wirklich zu, nehmen uns aufmerksam wahr und wertschätzen die Erfahrungen aller Teilnehmer*innen.
3. Wir achten auf Vertraulichkeit und behutsamen Umgang mit persönlichen Themen
Alles, was in den Seminaren geteilt wird, bleibt geschützt. Jede*r bestimmt selbst, wie tief er oder sie gehen möchte – im eigenen Tempo und im eigenen Maß.
4. Wir fördern Selbstreflexion und authentische Weiterentwicklung
Wir unterstützen einander darin, mutig nach innen zu schauen, konstruktiv Feedback zu geben und anzunehmen und aus Erfahrungen echte persönliche Entwicklung entstehen zu lassen.
5. Wir richten uns auf Übertragbarkeit aus
Unser Ziel ist, dass die Erfahrungen und Erkenntnisse unmittelbar in die tägliche pädagogische Arbeit hineinwirken kann, sich einfach und intuitiv übertragen läßt und zu stabileren, authentischeren Beziehungen mit Kindern und Jugendlichen beitragen.
6. pädagogische Haltung
Wir wünschen uns, dass Pädagog*innen Orientierung geben können, ohne zu kontrollieren – getragen von innerer Klarheit, Mitgefühl und Präsenz. In einer Haltung, die möglichst frei ist von Stolz, Überhöhung und Härte. Und dass es so möglich wird, Beziehungen zu den Kindern und Jugendlichen zu stärken durch Ruhe, natürliche Autorität und als authentisches Vorbild.
7. Wir bleiben offen für neue Erkenntnisse und gesellschaftliche Entwicklungen.
Unser Programm entwickelt sich kontinuierlich weiter. Dabei werden wir inspiriert durch wissenschaftliche Erkenntnisse, pädagogische Forschung und die Rückmeldungen all jener, die sich ernsthaft einbringen. Der Fokus liegt dabei immer darauf, den bestmöglichen Nutzen für die Teilnehmer*innen zu erreichen und für die Kinder und Jugendlichen, die wir begleiten.
8. Der Mut zur eigenen Geschichte
Wir erkennen unsere eigene Biografie als Ressource an. Wir schaffen Raum, um persönliche Trigger und alte Muster nicht als Schwäche, sondern als wertvolle Wegweiser für unsere professionelle Weiterentwicklung zu verstehen.
9. die gesellschaftliche Verantwortung
Wir handeln im Bewusstsein unserer gesellschaftlichen Wirkung. Wir verstehen unsere eigene Klärung als aktiven Beitrag zu einer friedlicheren Welt
10. Geduld und Zukunft
Wir vertrauen auf den Prozess der kleinen Schritte. Wir wissen, dass nachhaltige Veränderungen Zeit brauchen. Und doch gehen wir den Weg der Entwicklung mit Geduld und Ausdauer. Unsere Arbeit im Hier und Jetzt ist ein Investment in die Zukunft. Indem wir nach innen schauen und dort für Klarheit sorgen, ebnen wir den Kindern und Jugendlichen den Weg in eine lebenswertere, friedlichere Welt.